Sonntag, 28. Dezember 2014

Nähgarn - ein bisschen Faden zwischen 2 Enden?

Wenn ich in meine Nähgarnbox gucke, dann beschleicht mich jedes Mal der Wunsch, alles wegzuschmeißen und neu zu kaufen. Diese Nähgarne sind ALLE mindestens 25 Jahre alt! So ein langes Aufbewahren kann doch nicht gut sein, oder? Dabei folge ich hier nur meiner guten Erziehung, erst wenn etwas aufgebraucht ist, dann wird etwas Neues gekauft.


Aber das ist noch nicht alles, was mich an diesem Thema bewegt. Es gibt Nähgarn aus Polyester, aus Baumwolle, aus Seide, aus Nylon und vielen anderen Materialien. Auch die Nähgarnstärke spielt im Nähprozeß eine große Rolle. Welches ist also das Beste?

Eine Jeanshose kann nicht mit Seidennähgarn genäht werden und eine Seidenbluse sollte man tunlichst nicht mit Jeansnähgarn nähen. Wenn da etwas reißt, so wird es wohl ehr der Seidenstoff sein, als der Faden. Solche Materialschäden können unter Umständen nicht mehr repariert werden.

Alles in allem ist das also ein größeres Thema, als es  auf den ersten Blick scheint. Den Nähgarn ist eben nicht einfach Nähgarn!

Meine Recherche möchte ich für euch, zumindest teilweise, zusammenfassen. Glaubt es mir, ich habe tagelang im Internet recherchiert. Manche Frage wurde beantwortet aber genauso wurden auch neue Fragen aufgeworfen.

Welche Nähgarne für welchen Einsatzzweck?

Häufig bietet der Hersteller dem Endverbrauch hier schon Hilfestellung an, in dem er den Verwendungszweck aufdruckt z. B. Baumwollgarn für Baumwoll- und alle leichten Stoffe. Ihr habt es ja im Hinterstübchen, dass Baumwollstoff beim Waschen auch gerne einlaufen kann. Besteht ein Nähstück also aus Baumwollstoff und wird mit Polyster genäht, so kann der Stoff beim Waschen einlaufen, aber das Nähgarn bleibt eben gleich lang!

Vereinfacht kann man sagen, das Nähgarn sollte aus dem gleichen Material sein wie der Stoff. Seidennähgarn für Seidenstoffe, Jeansnähgarn für Jeansstoffe. Und dann gibt es oft die Allesnäher aus Polyester. Sie sind geeignet für feine bis mittlere Stoffe aller Art. So sagen es zumindest die großen Hersteller!


Welche Fadenstärke wählen?

Hier gilt der Grundsatz, je höher die Zahl der Stärke, desto feiner ist das Garn. So ist z.B. ein Baumwollfaden mit der Stärke 80 viel feiner als ein Faden mit der Stärke 30. Die Fadenstärke wird in Nm (Nummer metrisch) gemessen. Steht auf einem Polyestergarn also 100/3 drauf, so handelt es sich um recht feines Garn, dass 3fach Verzwirnt wurde.

Aber Achtung, die Stärkenangaben für Baumwolle und Polyester sind unterschiedlich. Ein Baumwollfaden mit der Stärke 30 hat nicht die gleiche Stärke wie ein Polyesterfaden der Stärke 30.  Overlockgarne sie sind in der Regel mit einer Stärke von 120 - 150 sehr dünn. Bei einer 4 Faden Overlockmaschine kommen ja 4 Konen (!) zum Einsatz, da stabilisiert sich das Garn gegenseitig.


Reißfestigkeit

Die Reißfestigkeit hängt von der Stärke des Garnes ab. Ein feines Garn kann jeder von uns problemlos zum Reißen bringen. Aber hat einer von euch schon mal versucht ein Jeansgarn mit den Händen zu reißen? Mir ist das bisher noch nicht gelungen :-).


Fusselfaktor

Einige meiner alten Garne fusseln und das nicht zu knapp. Nach einer Näheinheit muss ich die Maschine säubern, zumindest so gut es geht! Auf Dauer kann das für den Nähmaschinenfuhrpark natürlich nicht gut sein und bei einer Reparatur auch ziemliche Kosten aufwerfen. Aber warum fusselt das Garn nun?

Nähgarn wächst ja nicht in 100, 200 oder 500 Metern Länge an Bäumen. Es wird aus einzelnen Fasern gesponnen. Genauso wie Wolle. Dieser Spinnprozeß ergibt eben keinen glatten Faden, sondern einen Faden mit kleinen Überhäarchen. Namhafte Garnhersteller flämmen diese Häarchen ab und wachsen den Faden. So wird das Nähgarn schön glatt.

Kaufen wir also Garn, so kaufen wir nicht nur das Material sondern eben auch den Herstellungs-prozeß, der zu diesem Garn führt. Wir können uns also leicht ausrechnen, dass bei billigeren Garnen an genau diesem Herstellungsprozeß gespart wird.


Fazit

Nähgarn? ... ein bisschen Faden zwischen zwei Enden?  Mitnichten!

Die Qualität der gesamten Näharbeit hängt eben auch entscheident vom Nähgarn ab, obwohl es auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar ist.

Handarbeiten ist für mich ein großes Stück Luxus und damit meine ich nicht das Material! Meine Freizeit ist nur sehr knapp bemessen und die Zeit, die in so manchem Projekt steckt übersteigen bei weitem die Materialkosten. Es lohnt sich also, nicht am falschen Ende zu sparen.


Meine Entscheidung

Ich habe mich für ein Garnset des Herstellers Gütermann entschieden.

Gütermann gibt es schon seit ich mit 6 Jahren das erste Mal an der Nähmaschine saß. Ein Hersteller, der seit 150 Jahren auf dem Markt ist. Es scheint also, dass es ausreichend Nähbegeisterte gibt, die diesem Hersteller vertrauen und so viele Kunden können doch nicht irren?

Zunächst habe ich das Nähgarn Toldi mit einer Lauflänge von 500 Metern gekauft. Ein Allesnäher, bestehend aus Polyester. Es hat die Fadenstärke No 120 und ist bis 95 Grad waschbar. Die empfohlene Nadelstärke liegt bei 70-80.

Die beiden Stoffläden, die ich auf meinen Fahrten von der Arbeit nach Hause gelegentlich besuche führen diese Nähgarne im Sortiment. Ein Beschaffungsproblem ist damit auch minimiert.

Der Preis für die einzelne Rolle empfinde ich als sehr moderat. Ob das Garn meinen Ansprüchen genügt, wird sich erst in den nächsten Wochen oder Monaten zeigen.



Aber eines ist sicher, bei der zukünftigen Auswahl meiner Projekte, wird die richtige Nähgarnwahl eine genau so große Rolle spielen wie die Stoffwahl.

Weitere Hersteller, von denen ich noch Garne kaufen möchte sind:  Alterfil, Amann-Mettler und Coats.

Achtet ihr immer auf das richtige Nähgarn? ... und damit meine ich nicht die Farbe ;-). Welche Erfahrungen habt ihr gesammelt?

Kommentare:

  1. Ich habe null Ahnung, wovon du sprichst, Angie *laaaaaaaaaach* Die Nähwelt ist ja so gar nicht meine und dabei liebe ich genähte Dinge über alles! Aaaber deine gute Erziehung ist auch meine .... erst alles verbrauchen, dann wird Neues gekauft. Leider "vergesse" ich das aber immer ;-) Ich meine, du hast alles richtig gemacht und bin gespannt, ob du zufrieden bist mit deinen neuen Garnen.

    Viele liebe Grüße, Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bevor ich mit dem Thema angefangen habe, hatte ich auch keine Ahnung wo von ich spreche. Große Katastrophe! und das obwohl ich nähe!
      Jetzt ist es auch nur ein bisschen besser ;-). Man wird ja nie zu alt zum Lernen :o).
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  2. Mittlerweile achte ich schon auf den Hersteller. Angefangen habe ich mit Garn aus dem Discounter. Ich musste ja erst schauen, ob mir das Nähen liegt. Ein paar Restbestände sind auch noch vorhanden. Wobei ich lieber mein Gütermann nehme. Ein Allesnäher.
    Auf die Stärken habe ich bisher weniger geachtet. Vielleicht sollte ich mir da doch noch mal mehr Gedanken machen ;-)
    Danke für die Auflistung.
    LG Jasmin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Jasmin,
      das Thema ist größer als man annimmt. Für mich habe ich jetzt aber das Gefühl, dass ich der Sache ein bisschen näher gekommen bin und werde das Thema auf jeden Fall weiter verfolgen und ausbauen.
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  3. Hallo Angie,
    mit diesem Beitrag hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer am falschen Ende spart, ärgert sich nur!
    Aber das alte Garn aus der Kiste, welches für die Maschinen nicht mehr gut genug ist, nehme ich zum Heften oder auch mal um eine kurze Naht, wie z.B. eine Wendenaht, von Hand zu schließen oder zum Knöpfe annähen. Dafür ist es noch gut und unsere Erziehung zur Sparsamkeit bleibt auch nicht auf der Strecke.
    Ich wünsche Dir auch im neuen Jahr viel Freude an Deinem Hobby.
    Herzliche Grüße
    Pia René

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Pia René,
      danke für den Hinweis, wie ich die alten Garne weiterverwenden kann. So mache ich das dann jetzt auch. Vor allem habe ich mich über die Fusseleien geärgert und das die Maschine darunter so leidet. Ich hoffe, dass die neuen Garne das besser können.
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  4. Hallo Angie,
    ich nehme auch zu 90 % das Garn von Gütermann, Rest Coats.
    No Name Garn oder altes Garn nehme ich zum Heften Zum Quilten spezieles Garn von YLI.
    Am Nähgarn darf man nicht sparen !
    Liebe Grüße
    Käthe

    Liebe Grüße Käthe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Großmutter Käthe,
      die Garne von Gütermann sind für mich ja auch einfach zu beschaffen, weshalb ich mich für sie entschied, erstmal ;-). Danke für den Hinweis mit dem Quiltgarn, denn quilten möchte ich auch gerne mal und muss mich mit dem Thema noch komplett befassen :-)
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  5. Hallo,
    Nachdem ich mir vor zwei Jahren meine Juki gekauft habe, wurde mir vom Verkäufer schon nahegelegt, kein Billiggarn zu verwenden, bis dato habe ich Garn vom Möbelschweden genommen und Overlockkonen. Ich nähe also seither mit Amann und Toldigarn Allesnäher in meinen gängigen Farben.
    Dein Post ist aber super zusammengefasst, grade wegen der Stärke.
    Liebe Grüße,
    Petra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Petra,
      das mit den Stärken habe ich bisher so auch nicht bewußt aufgenommen. Aber dank der Recherche ist es mir immer wieder über den Weg gelaufen, also musste das ja wohl wichtig sein :o).
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  6. Hallo Angie
    Also ich habe immer Gütermann.
    Ich habe auch noch Garn vererbt bekommen. Manches ist gut. Das meiste davon nehme ich nur zum zusammen nähen den wendeschlitz. Dafür ist es gut genug. Aber manche reißen schön wenn ich es anschaue. Man kann aber auch schlecht sagen wenn man es geschenkt bekommt ( so wie ich ) " den popel kannste behalten" Liebe Grüße Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Sandra,
      ich werde die alten Garne auch zum Vorreihen oder nur für kurze Handnähte noch aufbrauchen :-).
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  7. Liebe Angie,
    wow ich wusste gar nicht das man über Nähgarn soviel schreiben kann :)
    Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung, sehr toll gemacht und interessant.
    Liebe Grüße
    Armida

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Armida,
      ich wußte auch nicht, dass das Thema so komplex ist. Deshalb ja die Frage: Nähgarn ein bisschen Faden zwischen 2 Enden? ;-)
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  8. Hallo Angie,
    das hast du gut zusammengefasst. Oft spart man am falschen Ende. Seit ich nähe verwende ich Garn von Gütermann. Als ich mit dem Quilten angefangen habe auch spezielles Quiltgarn aus Baumwolle.
    Das Qualitätsgarn meiner Mutter konnte ich noch verwenden.
    Liebe Grüße
    Gusta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Gusta.
      Ich habe versucht mich kurzzufassen, was bei dem Thema dann doch nicht so einfach war ;-)
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  9. Super Thema. Sehr gut beschrieben.
    Und Ja, ich achte sogut es geht darauf das Nadeln und Garne und Stichprogramm zum verwendeten Materialmix passen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du sprichst es an, das Thema Nadeln. Meine Recherche läuft noch, davon dann aber erst demnächst mehr :-).
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen
  10. Liebe Angie,
    Tolle Zusammenfassung! Ich habe mir bisher garnicht so viele Gedanken zu Nähgarn gemacht, hab auch noch garnich so viel :-D das ändert sich an jetzt ;) Dankeschön!


    Liebe Grüße vom Zwerg :)

    Vielleicht hast du ja Lust an meiner neuen Linkparty teilzunehmen? Das wäre schön :) http://zwergstuecke.blogspot.de/2015/01/linkparty-mein-blog.html

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hatte/habe auch (noch) nicht viel Nähgarn, aber mein alter Bestand hat mich immer traurig gemacht, also habe ich etwas recherchiert ;-)
      Lieben Gruß
      Angie

      Löschen